Im Rahmen des Moduls Oberflächentechnik in der Materialkunde wurden wir herausgefordert, als Duo ein Tischspiel mit einer experimentellen Oberfläche zu entwickeln. Darüber hinaus durften nur recycelte Materialien verwendet werden.
Meine Studienkollegin Tina Vonplon und ich entschieden uns dafür, ein Mühlespiel zu entwerfen, das die recycelten Materialien wieder kostbar und hochwertig erscheinen lässt. Zugleich wollten wir mit der Veränderung der Oberfläche die Wirkung der Materialien hervorheben. Für das Projekt verwendeten wir einen recycelten Plexiglasspiegel aus einem Brockenhaus und Eichenrestholz aus unserer Werkstatt. Der Plexiglasspiegel erzeugt eine kalte, metallische Tiefe, die durch die Wärme und Haptik des Eichenholzes in Kontrast gesetzt wird.
Wir suchten einen natürlichen Stoff, mit dem wir die Oberfläche färben konnten, und landeten schliesslich bei Rotwein. Dieser wird traditionell in Eichenfässern gelagert; wir kehrten dieses Prinzip um und legten das Holz in ein Rotweinbad. Dazu passend trennten wir die Köpfe von Weinflaschen ab, woraus sich die achtzehn gläsernen Spielsteine ergaben.
Mir gefällt das edle Erscheinungsbild des Spiels sehr; die perfekt aufeinander abgestimmten Radien und das Branding «Wein-Mühle» vereinheitlichen das Auftreten. Bei diesem Projekt habe ich gelernt, wie man sich im Team in seinen jeweiligen Stärken optimal ergänzen kann.
Im Rahmen der Fachmesse «Holz 25» in Basel standen wir vor der Herausforderung, unter hohem zeitlichem Druck eine umfassende Eventplattform zu realisieren. Das Ziel war es, den Markenwechsel zur HF Zug räumlich erlebbar zu machen. Neben der Gestaltung von zwei Messeständen galt es, die komplette Möblierung für ein Messe-Café, bestehend aus 120 Hockern und 15 Tischen, nach dem Upcycling-Prinzip zu produzieren. Dabei mussten wir vorhandene Ressourcen wie alte Massivholzstühle und Geländerstaketen in ein modernes, funktionales Design überführen, das dem hohen gestalterischen Anspruch der Messe gerecht wurde.
Die Vision, den Wiedererkennungswert der Messestände und des Mobiliars über eine einheitliche Formsprache zu erzielen, wurde wesentlich durch mich geprägt und traf bei meinen Mitstudierenden und Dozierenden auf hohe Resonanz. Die von uns als «Chip» bezeichnete Form wurde anschliessend im Team weiterentwickelt.
In der weiteren Vorbereitungsphase war ich intensiv in die Modellbildung und die konstruktive Entwicklung des Aussenstandes eingebunden. Gemeinsam mit den Dozierenden entwickelten wir Lösungen, die sowohl statisch sicher als auch ästhetisch ansprechend waren. Dabei erwies sich die Verbindung zwischen den «Chips» als Herausforderung, die wir mit einer pragmatischen, aber dennoch konstruktiv anspruchsvollen Schlitzverbindung lösten.
Ein grosser Teil der Fertigung basierte auf CNC-Technik, hierbei bereitete ich die Dateien vor, fräste die benötigten Plattenteile mit meiner Dozentin aus und sorgte für die passgenaue Vorbereitung der Bauteile. Neben der Produktion in der Werkstatt war ich für die Erstellung der Einsatzpläne zuständig und koordinierte die Zusammenarbeit innerhalb des Teams. Mein Beitrag umfasste zudem die Materialrecherche und die Logistik, wobei ich auch an unterrichtsfreien Tagen und während der Ferien vor Ort war, um den termingerechten Aufbau und die Qualität der Ausführung sicherzustellen.
Dieses Projekt hat mir den gesamten Lebenszyklus eines komplexen Designauftrags vor Augen geführt, von den ersten Unsicherheiten während der Kick-off-Phase über die einzelnen Planungs- und Umsetzungsschritte bis hin zum fertigen Messeauftritt.
Die Verantwortung für die operative Planung und den physischen Aufbau zu übernehmen, hat meine Fähigkeit weiterentwickelt, auch unter hohem Zeitdruck qualitätsbewusst zu handeln. Zudem habe ich nun ein tiefes Verständnis dafür, dass eine exzellente Realisation nur durch die konsequente Auseinandersetzung mit der Konstruktion und einer lückenlosen Kommunikation zwischen allen Beteiligten entstehen kann.
2022 nahm ich am Aargauer VSSM-Wettbewerb für Berufslernende teil, das Thema war «mobili d’oro». Als Rahmenbedingung galt es, ein Möbelstück mit goldfarbenen Elementen zu entwerfen, welches die Standfläche von 0,88 m² nicht überschreitet und eine maximale Höhe von 1,5 m aufweist.
Um aus diesen Anforderungen das Maximum herauszuholen, entschied ich mich für die Fertigung eines Sideboards. Mein gestalterischer Anspruch war es, das Thema Gold als zentralen Bestandteil in das Design zu integrieren. Der wortwörtlich goldene Schnitt wurde somit zum Dreh- und Angelpunkt meiner Kreation. Länge, Breite und Tiefe stehen in seinem Verhältnis zueinander, und durch gezielte Vertiefungen in den Sichtflächen entfaltet der Schnitt seine volle Wirkung. Die anthrazit lackierten Fronten schaffen einen starken Kontrast zum Gold und verfügen über integrierte Griffprofile an den Kanten. Die massiven Eichenteile der Schalung verleihen dem Objekt eine natürliche, leichte Präsenz, wobei ich heute Hölzer wie Nussbaum bevorzugen würde, um dem Gold noch mehr Geltung zu verleihen.
Durch Sparmassnahmen beim Material, wie etwa die weiss anstatt anthrazit beschichteten Innenteile und die nur einseitig beschichtete MDF-Rückwand, vergab die Fachjury mir «nur» den 2. Rang in puncto Design. Für mich war dies ein prägendes Ereignis, aus dem ich viel gelernt habe, vor allem aber eines: Wenn es um exzellente Qualität geht, dürfen weder Mittel noch Aufwände gescheut werden, um diese konsequent zu gewährleisten.














